7 Quellen der Motivation

Ein Erlebnis war es allemal – die Integration „aller“ bekannten Motivationstheorien der letzten 100 Jahre – von der klassischen Konditionierung (Pawlow`s Hund) über die Behavioristen und „Papa Freud“ (O-Ton) bis zu den Neurobiologen (Damasio).
Die PSI-Theorie (Persönlichkeit-System-Interaktion) von Julius Kuhl versteht sich als Integration der 7 Systemebenen der Persönlichkeit: Gewohnheit, Temperament, Anreizmotivation, Stressbewältigung, emotional verankertes Leistungsmotiv, kognitiv elaboriertes Leistungsmotiv und selbstgesteuertes Leistungsmotiv.
Wie diese 7 Systemebenen als Quelle der Motivation genutzt werden können, war Inhalt dieses Seminares – oder besser gesagt, dieser 2-tägigen Vorlesung.

Warum also Memory spielen?
Weil die neuronale Plastizität heute als erwiesen gilt und das bedeutet, Neuronen können durch richtiges „Trainieren“ nachwachsen. Zum Beispiel im Hippocampus. Der ist nämlich zuständig für innere Landkarten (darum Memory) und spielt eine wichtige Rolle bei der Steuerung des Verhaltens, insbesondere bei der Stressbewältigung. Außer er erhält eine zu hohe Dosis an Cortisol (was bei Stress ausgeschüttet wird), dann wird er gehemmt und – bei dauerhafter Überlastung – geschädigt. Interessant ist, dass die neuronale Plastizität gerade im Hippocampus nachgewiesen konnte. Das bedeutet: gerade in der Stressbewältigung kann das Gehirn auf Grund seiner neuronalen Plastizität dazulernen.

Und wie funktioniert Selbststeuerung? – Ganz einfach.
Um Pläne zu schmieden und Intentionen zu bilden, muss der positive Affekt gedämpft werden. Und um Ziele dann in Handlung umzusetzen, muss die Dämpfung wieder aufgehoben werden, denn nur positiver Affekt ist verhaltensbahnend. Logisch, oder? Der positiven Psychologie von Martin Seligman erteilt Julius Kuhl jedoch eine Abfuhr: nicht alle Menschen sind belohnungssensibel, sondern eher nur die Extrovertierten. Die Introvertierten sind eher bestrafungssensibel (J. Gray). Also: wenn Sie Ihren Joggingpartner nicht damit locken können, wie gut ihm frische Luft und Bewegung tun wird, versuchen Sie es mal, indem Sie ihm sagen: Wenn du jetzt nicht mit joggen gehst, fühlst du dich am Abend richtig Sch…

Spannend wird es auch bei der Beziehung von SELBST (rechte Hemisphäre) und ICH (linke Hemisphäre): Was fühlt SELBST, was ICH nicht weiß?
Und fast zwangsläufig landet man bei den Philosophen, Platon, Tao Te King, Immanuel Kant, dessen Kritik der praktischen Vernunft Kuhl in einem Nebensatz bestätigt.

Fazit:
Akademische Anerkennung für

  • die Bedeutung von Gefühlen
  • den Wert einer stabilen Beziehung bei der Entwicklung des Selbst (ausgedrückt in Korrelationswerten)
  • die Überlegenheit der rechten Hemisphäre (nachdem in den letzten Jahrhunderten – schon viel zu lange – die linke präferiert wurde)

Was für den einzelnen Menschen gilt, macht auch vor Organisationen nicht Halt. Leistungsziele, die nicht durch Emotionen unterstützt werden, sind anstrengend und führen à la longue zu Burnout. Setzt man zu sehr auf Ich-Kontrolle, verzichtet man auf die unglaublichen Fähigkeiten der Parallelverarbeitung in der rechten Hemisphäre.

Persönliches Resümee: Meine rechte Hemisphäre fühlt sich bereichert – verwirrt – erstaunt, meine linke Hemisphäre denkt: endlich eine Diagnostik für Motivation.
Dr. Danielle Bidasio

Prof. Kuhl im Interview (youtube-Video)

Buchtipps:
Kuhl, Julius; Storch, Maja: Die Kraft aus dem Selbst. Huber.
Kuhl, Julius et al.: Persönlichkeit und Motivation im Unternehmen – Anwendung der PSI-Theorie in Personalauswahl und –entwicklung. Kohlhammer.
Wer es ganz genau wissen will:
Kuhl, Julius: Lehrbuch der Persönlichkeitspsychologie: Motivation, Emotion und Selbststeuerung. Hogrefe.



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