Alltagsdialog

Ich sitze beim Friseur und lege das Buch zur Seite, das ich gerade lese. Die junge Friseurin schaut auf den Umschlag und meint: „Das sieht irgendwie aus wie das Starbucks-Logo.“ Ich: „Das ist das Starbucks-Logo. Ich lese gerade ein Buch über die Geschichte von Starbucks und ich finde sie großartig geschrieben.“ Sie zeigt sich interessiert und so erzähle ich ihr, was mich so angesprochen hat und lese ihr ein paar Sätze vor. Sie: „Super. Man weiß eigentlich nicht viel von den Unternehmen, in die man oft geht. Wie schaut denn der aus [Starbucks Gründer Schultz, Anm. der Autorin]?“ Buchumschlag Rückseite. Sie: „So jung ist der? Ich habe mir Starbucks viel älter vorgestellt. Sehr interessant. Da werde ich jetzt sicher anders hingehen als bisher. Jetzt gibt’s ihn ja sogar im Europark.“

Die Geschichte von Starbucks

Auf einer Italienreise erlebt 1982 der amerikanische Marketingleiter eines kleinen Kaffee-Unternehmens – Howard Schultz – die Magie des Kaffees bei einem zelebrierten Espresso. Er gründet sein eigenes Unternehmen, kauft einige Jahre später Starbucks – seinen früheren Arbeitgeber. Aufschwung und Expansion folgen. 15 Jahre später gibt es 2.600 Coffee Houses in 13 Ländern und eine durchschnittliche Wachstumsrate von 49 %. Schultz zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück und kümmert sich um Expansion. Als der  Kaffeeriese 2008 nahezu bankrott gewachsen ist und seine Seele, sein typisches Flair zu verlieren beginnt, kehrt Schultz auf den Posten des CEO zurück.

Er schildert in Onward die Geschichte der erfolgreichen Umgestaltung von Starbucks. Mit unternehmerischem Mut und Besinnung auf die Werte bringt er das Unternehmen wieder auf die Erfolgsspur zurück.  „Jede Organisation hat ein Gedächtnis, eine Geschichte von Erfolgen und Fehlern. Auch unbeabsichtigt passierte Dinge gehören dazu, wenn sie zu einem anhaltenden Dialog beitragen und die Menschen die Bedeutung eines Ereignisses für sich selbst umformen. Das feine Gewebe der Interpretation beeinflusst die Zukunft der Organisation, oft lenkt es sie sogar.“ So schreibt Schultz ‚Onward‘ ohne viel Überlegung unter sein erstes Memo an seine Mitarbeiter_innen. Onward bedeutet, sich vorwärts bewegen, weitermachen.  Es ist ein Synonym geworden für die Haltung, die Schultz in sein Unternehmen einbringt. Die er sich von Mitarbeiter_innen wünscht und die er vorlebt.

Zwei Jahre später betreten Starbucks‘ leitende Führungskräfte und Schultz die Bühne der Analystenkonferenz, um den unwiderlegbaren Beweis von Finanzergebnissen in Rekordhöhe vorzulegen. „Starbucks‘ Performance war nichts anderes als bemerkenswert“, schrieb Marc Greenberg von der Deutschen Bank, „und ganz ehrlich die signifikanteste Kehrtwendung eines Unternehmens, deren Zeuge wir je geworden sind.“ Am Tag nach der Konferenz schloss Starbucks‘ Kurs bei 32,76 US-Dollar, also fast 400 Prozent höher als im Dezember 2008.

Das Buch ist ein wahrer Fundus über symbolische Führung für Führungskräfte und Menschen, die mit Unternehmen arbeiten.  Ideen für Aktionen und Veranstaltungen, die Werte im Unternehmen sichtbar und auf die Menschen übertragbar machen. Zuweilen Gänsehaut erzeugendes Change Management. Anglo-Amerikanisches Story-Telling. Aber sehr lesenswert.

Schultz, Howard/Gordon, Joanne (2011):
Onward
. Wie Starbucks erfolgreich ums Überleben kämpfte, ohne seine Seele zu verlieren.
Wiley-VCH Verlag & Co. KGaA, Weinheim, Germany.



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