Dynamic Facilitation – Meetings als „Inseln der Lebendigkeit“?

Klingt ja fast zu schön, um wahr zu sein, was Matthias zur Bonsen als Leitidee über das Seminar „Dynamic Facilitation“ stellt. Menschen erleben in vielen Besprechungen, Workshops und Teams genau das Gegenteil: lähmende Moderation, selbstdarstellerische Redebeiträge und das Gegeneinander von Meinungen, die aufeinanderprallen, ohne zu einer wirklichen Lösung zu kommen. Das Beste ist dann vielleicht noch ein guter Kompromiss – der dann irgendwie trotz umfangreicher Maßnahmenpläne nicht umgesetzt wird. Aber wirklich lebendige Besprechungen, wo Menschen „Energie und Gemeinschaftsgeist“ spüren? Das steht doch höchstens in Leitbildern – Gedanken einer hoffnungsvollen Skeptikerin am Beginn des Seminars „Dynamic Facilitation“ mit Matthias zur Bonsen, einem der Pioniere in der Entwicklung neuer Moderationsmethoden im deutschsprachigen Raum.

„Dynamic Facilitation“, von Jim Rough bereits in den USA der 80er Jahre entwickelt, soll genau jene „Inseln der Lebendigkeit“ ermöglichen. Jim Rough machte die Erfahrung, dass er bei der Arbeit mit Sägewerksmitarbeitern mit den klassischen Moderationsmethoden nicht durchkam. Zur Bonsen: „Die klassischen Moderationsmethoden sind ja etwas für die gezähmte Mittelschicht“, die sich eine solche „Verstrukturierung“ gefallen ließen. Menschen funktionierten aber nicht linear strukturiert. Der menschliche Geist arbeitet vielmehr sprunghaft und assoziativ. Genau das berücksichtigt Dynamic Facilitation. Dabei ist die Herangehensweise zunächst gewöhnungsbedürftig: „Dynamic“ bedeutet nicht, „dynamisch“ im Sinn von schneller, lebhafter und chaotischer Diskussion miteinander. Vielmehr bezieht sich die die Dynamik auf die inneren Gedankensprünge zwischen

– Fragen/Herausforderungen
– Lösungen/Ideen
– Bedenken/Befürchtungen
– Sichtweisen/Informationen

die auf vier Listen vor der Gruppe dokumentiert werden. Die Gruppe spricht jedoch nicht miteinander, sondern jedeR TeilnehmerIn tritt in intensiven Dialog mit dem/der ModeratorIn und klärt so die eigenen Gedanken, deren Kern der/die ModeratorIn auf einer der vier Listen notiert. Dabei führt der/die ModeratorIn den Gesprächsprozess konsequent über die Frage nach Lösungsideen: „Wie könnte Ihrer Meinung nach eine Lösung aussehen? Welche Lieblingsidee haben Sie im Kopf?“ Die volle Präsenz und Aufmerksamkeit des/der ModeratorIn, die Gewissheit, den Raum zu bekommen, wirklich alles sagen zu können und die Erfahrung, gehört zu werden bewirken eine „Entleerung“ der Menschen, die entlastet. Plötzlich entstehen Momente der Stille. Ein „exquisites“ Gespräch wird kreiert, in dem „die sich selbst organisierende Energie des Lebens“ Raum bekommt. Dabei erinnere das Gespräch mit Dynamic Facilitation eher der Stimmung an einer Feuerstelle, wo das Wichtige nicht zueinander, sondern „ins Feuer“ gesprochen wird, meint Matthias zur Bonsen. Erst dieser „Umweg“ über den Kanal des/der ModeratorIn lässt Machtkämpfe untereinander zurücktreten. Die entstehende Langsamkeit von Dynamic Facilitation lässt die Menschen entspannen. Und durch diese Entspannung kann Neues entstehen. Die Lösung werde nicht „gemacht“, eine Entscheidung nicht „getroffen“, sondern sie emergiere aus dem Prozess, meint Matthias zur Bonsen. Und irgendwann wisse die Gruppe plötzlich, dass „das“ jetzt die Lösung ist. Als ModeratorIn erkennt man das an der plötzlichen Umsetzungsenergie: die Menschen beginnen, darüber nachzudenken, wie sie die Lösung umsetzen können, das Gesprächstempo wird schneller.

Wie lange der Moderationsprozess mit Dynamic Facilitation dauert, ist im Vorhinein schwer abzuschätzen, ein Minimum von zwei Stunden ist aber nötig. Dynamic Facilitation ist – im Unterschied zu Open Space oder World Café – keine Großgruppenmethode, sondern eine Moderationsform für Gruppen von fünf bis 15 Personen.
Dynamic Facilitation ist überall dort eine hilfreiche Moderationsmethode, wo es um schwierige Probleme geht, wo die Teilnehmenden schon an der Lösbarkeit zweifeln oder schon lange um eine Lösung ringen.
Fazit: Dynamic Facilitation schafft einen wohltuenden Unterschied zu klassischen Moderationsmethoden. Sie erfordert zunächst Geduld von den Zuhörenden. Hat man aber einmal selbst die Erfahrung gemacht, wie hilfreich es ist, Zeit und Raum für die eigenen Gedanken zu bekommen, gönnt man sie auch den GesprächspartnerInnen und schafft so den Raum für echte Einmütigkeit jenseits von Kompromissen. „Dynamic Facilitation sollte zum fixen Handwerkszeug von Führungskräften werden“, meint Matthias zur Bonsen. Nach zwei Tagen Praxis mit dem Moderationstool sage ich: stimmt!
Hemma Spreitzhofer

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