Der Gegenspieler sitzt im Kopf

Wie Selbstmanagement bei Stressbewältigung
helfen kann

Burn-out ist in der Arbeitswelt der Sozial- und Gesundheitsberufe eine allgegenwärtige „Diagnose“ ohne Makel. Jemand hat die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit überschritten. Ein radikaler Stopp ist angesagt. Lebens-und Arbeitsabläufe sind neu zu sehen, zu gewichten, zu ordnen. Es gilt auszusteigen aus altgewohnten Mustern. Und dafür Zeit zu investieren, viel Zeit, die – so scheint es – vorher nicht verfügbar war für Regeneration, Erholung, inneren Ausgleich.

In einer 2010 publizierten Studie der AK Niederösterreich dauert für 27% der befragten Angehörigen von nichtärztlichen Gesundheitsberufen ein Arbeitstag zwischen 12 und 14 Stunden. Und Psychologen der Universität Neuenburg erhoben bei einer Befragung von 1500 Pflegepersonen, dass mehr als 20 Prozent mehrere Male im Monat darüber nachdenken, ihre Stelle aufzugeben.

Zeitdruck, zu viele  administrative Tätigkeiten und störende Unterbrechungen werden von Pflegepersonen als Hauptbelastungsfaktoren ihrer Arbeit genannt. Mit diesen als Stress empfundenen Belastungen umzugehen, haben viele weitgehend verlernt. Daran hindern uns eingefahrene, fehlsteuernde Denkmuster und die Unmöglichkeit, eine hohe Stressbelastung durch sofortige körperliche Aktivität abreagieren zu können.

Dabei ist Stress in seinem evolutionären Ursprung ein sinnvolles Programm des Organismus, um durch blitzschnelle Reaktion in kritischen Situationen Unversehrtheit zu bewahren. Der Neurobiologe Gerald Hüther sagt dazu: „Eine kurze, intensive Stressreaktion erleichtert den Umgang mit ungewöhnlichen Situationen und sorgt damit gleichzeitig für überlebenswichtige Lernprozesse“.


Stress entwickelt sich im Kopf

Viele Autoren sind sich einig, dass Stress ein subjektives Denkproblem des Einzelnen ist. Ob jemand morgens nach einem Sekunden-Frühstück in die Arbeit hetzt oder gelassen und entspannt mit der Morgenzeitung den Tag beginnt,  ist kein Diktat von außen, sondern wird im eigenen Kopf entschieden. Der Gegenspieler der gewünschten Entspannung sitzt also meist in uns selber. Wir selbst sind es, die die Gedanken im Kreis vor uns her treiben, unfähig, aus dem Karussell auszusteigen um neue Ideen, Sichtweisen und Bilder zu entwickeln.

Zentrales Element im Stressgeschehen ist also unser subjektives Empfinden. Nicht die Art der Stressoren wie permanenter Zeitdruck, zwischenmenschliche Probleme oder überbordender Arbeitsanfall lösen Stress in uns aus, sondern wie wir darüber denken, welche Bilder dazu unser Gehirn durch die Erfahrung gespeichert hat.

Und gerade hier setzt ein spezielles Selbstmanagementmodell zum Stressabbau an, dessen Ursprung in den 1990er Jahren an der Pädagogischen Hochschule Zürich liegt.

Maja Storch und Frank Krause entwickelten auf der Grundlage neuester Ergebnisse der Hirnforschung und Motivationspsychologie das „Zürcher Ressourcen Modell“ (ZRM®) um eine Möglichkeit zu finden, direkten Einfluss auf das eigene Denken und Handeln zu gewinnen.

Neuronale Netze als Bausteine unseres Gedächtnisses sind im ZRM-Training ein zentrales Element. Ohne sie würde unser Gehirn in einem Wust von Daten untergehen und wir könnten Informationen nie sinnvoll ordnen oder abrufen. Vergleichen Sie Ihre erste Fahrstunde mit der Art und Weise, wie Sie jetzt Ihr Fahrzeug steuern – ohne Ihr neuronales Netz „Autofahren“ müssten Sie noch immer versuchen, sich an alle Instruktionen Ihres Fahrlehrers gleichzeitig zu erinnern.

 

Resilienz fördernde neuronale Netze

Bei diesen persönlichen, inneren Bildern setzt das ZRM-Training an.  Ziel ist, durch den Aufbau Resilienz fördernder, neuer neuronaler Netze, entsprechend Schaltkreisen im Gehirn, „alte“, stressfördernde neuronale Netze zu überschreiben. Dadurch wird es möglich, auch in belastenden und schwierigen Situationen aktiv und kontrolliert handlungsfähig zu bleiben.

Ein neuronales Netz wird bewusst durch Übung trainiert wie das Autofahren, oder unbewusst durch Erfahrung gebahnt. Wenn jemand gelernt hat, auf eine Anforderung von außen mit innerer Erregung zu reagieren, wird das neuronale Netz „Stress“ aktiviert, mit all seinen Nebeneffekten. Deshalb kommt es darauf an, dieses neuronale Netz „Stress“ durch ein neues zu überschreiben, das z.B. „Entspannung“ heißt und das Wohlbefinden des Organismus fördert.

Dass dies mit dem ZRM® gelingt, ist in mehreren Wirksamkeitsstudien belegt. In einer an der ETH Zürich durchgeführten Studie wurde nachgewiesen, dass das persönliche Stressempfinden der Trainingsteilnehmenden – gemessen am Cortisolspiegel im Blut – im Vergleich zur Kontrollgruppe in einer standardisierten Stresssituation, signifikant niedriger war.

 

Akkuschrauber für Entscheidungen

Das ZRM – Training ist konsequent ressourcenorientiert konzipiert und will die Teilnehmer_innen zu Expert_innen ihres Selbstmanagements machen. Im zweitägigen Grundkurs erlernen die Teilnehmenden alle Schritte, die ein zielorientiertes, kontrolliertes Handeln ermöglichen. Im Vordergrund steht dabei jenes Thema, das für den Einzelnen gerade aktuell ist.

Das ZRM ist kein „Spezialschraubenzieher“ gegen Stress, sondern ein Akkuschrauber für vielfältigste Situationen, die Entscheidungen von uns verlangen. Dazu gehören „private“ Lebensthemen wie Ernährung, das Thema Rauchen, Sport oder die „Aufschieberitis“, aber eben auch berufliche Anforderungen wie die Bewältigung von Stress, die Entwicklung einer individuellen Führungs-Haltung oder das souveräne Meistern von Präsentationssituationen.

Paul Mörwald ist zertifizierter ZRM®-Selbstmanagementtrainer, Pflegepädagoge und diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger und Partner von KOMUNARIKO.

Nächstes Selbstmanagementtraining (ZRM®-Grundkurs) mit Paul Mörwald:
26./27.9.2013 in Salzburg

 

 

 



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