Gut in Verbindung:
Warum Beziehungskompetenz zur Zukunftsfähigkeit von Organisationen wird
Kollegiales komunariko-Gespräch zwischen Michael Siller und Silvia Faulhammer
Organisationen stehen heute unter enormem Veränderungsdruck: mehr Komplexität, höhere Geschwindigkeit, hybride Zusammenarbeit, permanente Unsicherheit. Gleichzeitig erleben viele Unternehmen etwas, das oft schleichend leise beginnt und dadurch auch lange unterschätzt wird: Menschen arbeiten zwar miteinander, aber nicht mehr wirklich zusammen.
Im kollegialen Austausch mit Silvia Faulhammer – Kommunikationstrainerin, Businesscoach und Führungskräfteentwicklerin – spreche ich darüber, warum „gut in Verbindung sein“ weit mehr bedeutet als ein nettes Miteinander und weshalb Beziehungskompetenz heute zu einem entscheidenden Zukunftsfaktor für Organisationen wird.
Gut in Verbindung sein: Beziehung als Grundlage organisationaler Resilienz
Michael Siller: Silvia, du sprichst oft davon, „gut in Verbindung“ zu sein. Was meinst du damit eigentlich genau?
Silvia Faulhammer:
Gut in Verbindung sein heißt für mich nicht, dass immer alles harmonisch ist oder dass man gemeinsam nett Kaffee trinken geht. Das wird oft verwechselt.
Es geht vielmehr darum, Menschen so miteinander zu verbinden, dass Vertrauen entstehen kann. Dass Fehler angesprochen werden dürfen. Dass Lernen möglich wird und Zusammenarbeit leichter wird. Ich erlebe häufig, dass Menschen in Organisationen wie Einzelkämpfer und Einzelkämpferinnen unterwegs sind. Jeder und jede arbeitet seine Aufgaben ab, bleibt in seinem Bereich und irgendwann verliert man sich ein Stück weit. Dabei arbeiten wir immer in sozialen Systemen.
Systemtheoretisch betrachtet entstehen Organisationen überhaupt erst durch Kommunikation. Und wenn Kommunikation sich nur noch um Aufgaben und Funktionieren dreht, verlieren Menschen das Gefühl, wirklich dazuzugehören. Psychologisch sprechen wir hier stark über psychologische Sicherheit – also darüber, ob ich mich zeigen darf, ob ich etwas ansprechen darf oder ob ich Angst haben muss, bewertet oder abgelehnt zu werden. Gerade in Zeiten von Unsicherheit wird genau das unglaublich wichtig.
Was mich zusätzlich beschäftigt: Wir erleben mehr Tempo, mehr Veränderung, mehr Druck, hybride Zusammenarbeit und gleichzeitig weniger echte Begegnungen. Menschen ziehen sich zurück, arbeiten nebeneinander statt miteinander. Zugehörigkeit ist aber ein sehr menschliches Grundbedürfnis. Wenn dieses dauerhaft unerfüllt bleibt, sinken Motivation, Wohlbefinden und Energie. Organisationen merken das oft erst über Symptome wie Krankenstände, Fluktuation, Konflikte oder stockenden Informationsfluss sowie auch fehlender Innovation und stagnierendem Wachstum.
Fehlende Verbindung ist deshalb längst nicht mehr nur ein Kulturthema – sondern auch ein Gesundheits- und Zukunftsthema.
Michael Siller: Viele reagieren auf solche Symptome mit neuen Prozessen oder Tools.
Silvia Faulhammer:
Das beobachte ich ebenfalls. Häufig fehlt nicht noch ein weiteres Tool. Was fehlt, ist echte Verbindung. Wenn Menschen sich nicht mehr gesehen, gehört oder gemeint fühlen, lässt sich das selten durch mehr Struktur, bessere Prozesse oder zusätzliche Meetings lösen.
Führung als Beziehungsarbeit: Warum Selbstführung zentral wird
Michael Siller: Was bedeutet dieses „gut in Verbindung sein“ konkret für Führung?
Silvia Faulhammer:
Ich glaube, gute Führung beginnt immer damit, gut mit sich selbst in Verbindung zu sein.
Führungskräfte tun mir manchmal tatsächlich sehr leid, weil der Druck enorm gestiegen ist. Sie sollen Orientierung geben, Veränderungen begleiten und gleichzeitig sehr unterschiedliche Menschen führen.
Deshalb wird Selbstführung so zentral: Selbstreflexion, Selbstwahrnehmung und emotionale Selbstregulation. Denn wie Führungskräfte mit Druck umgehen, wirkt sofort ins Team hinein. Teams orientieren sich deutlich stärker am tatsächlichen Verhalten als an Leitbildern. Gruppendynamisch betrachtet prägt Verhalten immer stärker als jede formale Regel.
Deshalb braucht es Dialogfähigkeit, Konfliktkompetenz, Feedbackfähigkeit und echtes Zuhören – und das nicht als Methode, sondern als Haltung. Also wirklich hinzuschauen: Wo läuft etwas gut? Wo braucht jemand Unterstützung? Was wurde vielleicht nicht ausgesprochen?
Michael Siller: Beziehung wird damit zur Führungsaufgabe?
Silvia Faulhammer:
Davon bin ich überzeugt. Entwicklung beginnt oft genau dort, wo Führungskräfte bereit sind, die eigenen blinden Flecken anzuschauen. Und dafür braucht es bewusst geschaffene Räume, sonst bleibt genau dieser Aspekt im Alltag häufig auf der Strecke.
Räume schaffen: Kommunikation, Begegnung und soziale Infrastruktur
Michael Siller: Du sprichst häufig von Räumen und Rahmenbedingungen. Warum sind sie so wichtig?
Silvia Faulhammer:
Verbindung entsteht nicht zufällig. Sie braucht Räume. Viele Organisationen sagen zwar: „Das Miteinander ist uns wichtig.“ Gleichzeitig bleibt im Alltag kaum Zeit dafür. Genau dort beginnt häufig das Problem.
Deshalb braucht es bewusst gestaltete Formate: Reflexionsräume, Dialogformate, Mentoringprogramme, bereichsübergreifende Begegnungen oder gemeinsame Austauschmöglichkeiten. Systemisch betrachtet verändern solche Räume Kommunikationsstrukturen. Menschen verlassen ihre Silos und plötzlich entsteht wieder etwas Gemeinsames und mehr Verständnis, mehr Lernen, mehr Innovation.
Wir investieren ganz selbstverständlich in technische Infrastruktur. Soziale Infrastruktur wird dagegen häufig unterschätzt. Dabei entscheidet sie oft darüber, ob Zusammenarbeit langfristig gelingt.
Ein sehr einfaches Beispiel sind kleine Lunch-Formate: Mitarbeitende aus unterschiedlichen Bereichen kommen bewusst zusammen. Und plötzlich verändert sich Kommunikation. Aus einem „Die da drüben machen schon wieder Probleme“ wird ein „Jetzt verstehe ich besser, warum das dort gerade schwierig ist“. Kleine Interventionen können hier enorme Wirkung entfalten. Vielleicht deshalb, weil manchmal schon ein gemeinsames Mittagessen mehr bewegt als so manche perfekt geplante Agenda oder das nächste Strategiepapier. Ich finde ja: Ein bisschen Luncheon-Technik, ehrliches Zuhören und ein gutes Gespräch zwischen Suppe und Espresso zahlen manchmal mehr in die Unternehmenskultur ein als manche aufwendig geplante Maßnahme.
Echte Begegnung statt Transaktion: Warum Beziehung Innovation ermöglicht
Michael Siller: Du organisierst selbst Netzwerkveranstaltungen. Was lernen Organisationen daraus?
Silvia Faulhammer:
Dass Verbindung selten über Rollen, Titel oder Visitenkarten entsteht. Ich hatte früher oft den Eindruck, viele Netzwerkformate funktionieren sehr zweckorientiert, manchmal fast schon kompetitiv: „Was bringt mir dieser Kontakt?“ oder „Was habe ich davon?“
Deshalb war mir wichtig, Räume zu schaffen, in denen Druck rausgenommen wird und echte Begegnung möglich wird. Menschen brauchen unterschiedliche Zugänge. Manche gehen sofort auf andere zu, andere brauchen Sicherheit oder einen gemeinsamen Anknüpfungspunkt. Gerade introvertierte oder zurückhaltendere Menschen profitieren oft von Formaten, die soziale Sicherheit erhöhen.
Bei einer Veranstaltung hatten wir beispielsweise eine Zeichenstation. Das Spannende war: Das Zeichnen war gar nicht das Eigentliche – es war die Brücke. Durch das gemeinsame Tun entstanden Gespräche, die sonst nie entstanden wären.
Gruppendynamisch reduziert gemeinsames Erleben soziale Hürden. Menschen kommen leichter in Resonanz miteinander. Und genau dort entsteht häufig etwas, das Organisationen dringend brauchen: Vertrauen, Offenheit und neue Perspektiven.
Michael Siller: Also entsteht Verbindung oft indirekt?
Silvia Faulhammer:
Davon bin ich überzeugt. Menschen verbinden sich selten über Funktionen. Neuropsychologisch entstehen Vertrauen und Zugehörigkeit vor allem über emotionale Resonanz, echte Begegnung und gemeinsam erlebte Situationen.
Fazit: Verbindung ist Zukunftskompetenz
Michael Siller: Wenn du alles auf einen Punkt bringen würdest – warum ist dieses Thema gerade jetzt so entscheidend?
Silvia Faulhammer:
Ich glaube wirklich, dass Organisationen in Zukunft nicht an mangelnder Effizienz scheitern werden, sondern an mangelnder, sozialer Verbindung.
Je komplexer, temporeicher und dynamischer die Arbeitswelt wird, desto wichtiger werden Vertrauen, Dialogfähigkeit und Beziehungskompetenz. Es geht nicht darum, dass sich alle immer gut verstehen und nett miteinander umgehen. Es geht darum, soziale Systeme zu schaffen, in denen Menschen gemeinsam lernen, Konflikte ansprechen, Verantwortung übernehmen, Ideen einbringen und sich zugehörig fühlen können.
Denn genau dort entstehen Innovation, Wachstum, Gesundheit und langfristige Zusammenarbeit. Und das beginnt immer dort, wo Menschen einander wirklich begegnen.
Michael Siller: Vielleicht genau dort, wo Organisationen aufhören, nur Prozesse zu optimieren und wieder beginnen, Beziehungen bewusst zu gestalten.
Silvia Faulhammer:
Ich glaube, genau darin entsteht Zukunftsfähigkeit. Dort, wo Menschen sich zugehörig fühlen, Verantwortung übernehmen und auch unter Druck oder in Veränderung in Verbindung bleiben.
Bereit für den nächsten Schritt in Ihrer Organisationsentwicklung?
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Hier kommen Sie zum Flyer und zu den einzelnen Trainings, die im Herbst angeboten werden:
AUF DEN PUNKT –
dein professioneller Elevator Pitch
DER RAUM GEHÖRT DIR –
Souverän auftreten & wirken
BLEIB BEI DIR –
Souverän mit Kritik umgehen
GOOD ENOUGH TO TRY –
Mutig starten & losgehen
Wir beraten Sie bei Veränderung, Vorhaben und Führung.




